Wie können Kommunen trotz knapper Kassen nachhaltig bauen? Wie werden Schulen zu Orten für ganze Quartiere? Und wie passen wir unsere Städte an Hitze, Starkregen und zunehmende Flächenkonkurrenz an? Mit diesen Fragen beschäftigte sich GrünKom beim Sommertreffen am 6. und 7. August 2026 in München. Zwei Tage voller fachlicher Einblicke, konkreter Beispiele und vor allem viel Gelegenheit zum kommunalen Austausch.
Auf Einladung unseres Vorstandsmitglieds und Münchner Baureferentin Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer kamen Mitglieder von GrünKom aus verschiedenen Städten und Gemeinden in der bayerischen Landeshauptstadt zusammen. Tagungsort am ersten Tag war das Technische Rathaus – mit Blick über München und einem Programm, das von nachhaltigem Bauen über die Bildungsbauoffensive bis hin zur unterirdischen Infrastruktur der Millionenstadt reichte.
Kommunales Bauen: Heute entscheiden, was morgen bezahlbar ist
Unter dem Titel „München baut Zukunft – Nachhaltiges und effizientes Bauen für eine lebenswerte Stadt“ gab Jeanne-Marie Ehbauer zunächst einen Einblick in die Dimensionen des Münchner Baureferats. Gartenbau, Hochbau, Ingenieurbau und Tiefbau sowie die Münchner Stadtentwässerung bündeln dort ganz unterschiedliche Aufgaben kommunaler Infrastruktur – vom Schul- und Kitabau über Straßen, Brücken und U-Bahnen bis zu Grünanlagen und Kanalisation.
Die Herausforderungen ähneln dabei trotz der Dimensionen Münchens denen vieler anderer Kommunen: steigende Kosten, begrenzte Flächen, zunehmende Anforderungen und die Folgen des Klimawandels. München rechnet zugleich mit weiterem Bevölkerungswachstum und muss zusätzliche Infrastruktur in einer bereits dicht bebauten Stadt schaffen.
Ein zentraler Punkt der Diskussion war deshalb die Frage, wie kommunales Bauen wirtschaftlicher und gleichzeitig nachhaltiger werden kann. Besonders eindrücklich: Die entscheidenden Weichen für die Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes werden sehr früh gestellt – in Bedarfsplanung und Projektentwicklung. Der größte Teil der Kosten fällt dagegen erst während der jahrzehntelangen Nutzungsphase an. Die beim Treffen gezeigte vereinfachte Lebenszyklusbetrachtung verdeutlichte dies mit einer beispielhaften Aufteilung von rund 5 Prozent Planung, 10 Prozent Errichtung, 80 Prozent Nutzung und 5 Prozent Rückbau.
Damit war eine Botschaft für die kommunale Praxis verbunden: Nicht allein die niedrigsten Baukosten entscheiden darüber, ob ein Projekt wirtschaftlich ist. Entscheidend ist, was ein Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus kostet.
Der Münchner Ansatz verbindet deshalb Klimaschutz und Klimaanpassung, Biodiversität und Ressourcenschutz mit einer stärkeren Betrachtung der Lebenszykluskosten. Gleichzeitig geht es darum, Standards immer wieder zu hinterfragen und dort, wo es sinnvoll ist, einfacher zu bauen und technische Komplexität zu reduzieren.
Mehr Grün und weniger Versiegelung
Wie sich solche Ziele ganz praktisch im öffentlichen Raum umsetzen lassen, zeigte der Blick auf verschiedene Münchner Projekte.
Am Max-Joseph-Platz wurde beispielsweise eine zuvor stark versiegelte innerstädtische Fläche neu gedacht. Rund 1.400 Quadratmeter Fläche wurden im Rahmen der Interimsgestaltung entsiegelt, neue Grün- und Aufenthaltsbereiche geschaffen und Großsträucher mit Sitzmöglichkeiten ergänzt.
Auch der Oskar-von-Miller-Ring zeigt, was Klimaanpassung im Straßenraum bedeuten kann: 2.000 Quadratmeter entsiegelte Fläche, breitere Geh- und Radwege, neue Aufenthaltsbereiche und rund 5.600 Quadratmeter neue Bepflanzung mit zehntausenden Stauden und Gräsern, Sträuchern und zusätzlichen Bäumen.
Und selbst in der dicht bebauten Altstadt sucht München gezielt nach neuen Baumstandorten auf bislang versiegelten Flächen.
Für die Teilnehmenden war das ein guter Ausgangspunkt für die Diskussion darüber, wie auch andernorts Entsiegelung, Begrünung, Mobilität und Aufenthaltsqualität zusammen gedacht werden können – und welche Lösungen sich auf kleinere Städte und Gemeinden übertragen lassen.
Schule macht Quartier
Der zweite große fachliche Schwerpunkt führte unmittelbar zu einer der größten kommunalen Aufgaben: Bildungsinfrastruktur.
Die Dimension der Münchner Bildungsbauoffensive ist beachtlich. Für die Schulbauprogramme I bis V weist die präsentierte Zwischenbilanz für die Jahre 2014 bis 2024 unter anderem rund 9 Milliarden Euro Investitionen, 62.500 zusätzliche Schulplätze, 66 neue Schulen, 78 Mensen, 200 Sporteinheiten und 13 Schwimmhallen aus.
Doch mindestens genauso interessant wie die Größenordnung war die konzeptionelle Frage dahinter: Was ist eigentlich eine Schule im Jahr 2026?
Unter dem Leitgedanken „Quartier macht Schule – Schule macht Quartier“ stellte Jeanne-Marie Ehbauer den Wandel von der klassischen Flurschule zum ganztägigen Lern- und Aufenthaltsort vor. Schule wird dabei nicht mehr als isoliertes Einzelgebäude gedacht, sondern als Teil des Quartiers – und das Quartier wiederum als Teil der Schule.
Schulstandorte sollen zu offenen Bildungsorten im Quartier werden. Dazu gehören kompakte Gebäudeensembles, eine quartiersoffene Nutzung, die Verzahnung von Schulcampus und öffentlichem Grün sowie Beteiligung bei der Entwicklung der Standorte.
Beispiele wie das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium, der neue Campus an der Aidenbachstraße oder die Verbindung eines integrativen Hauses für Kinder mit einer Elternberatungsstelle zeigten, wie unterschiedliche Nutzungen miteinander verbunden werden können. Besonders der Campusgedanke macht deutlich, dass kommunale Gebäude künftig stärker mehrfach genutzt werden können – für Bildung, Sport, Kultur, Begegnung und das Leben im Stadtteil.
Gerade angesichts knapper Flächen und hoher Kosten war das eine der zentralen Diskussionen des Treffens: Wir bauen nicht nur einzelne Gebäude – wir bauen Stadt.
Tief unter München: Infrastruktur, die man sonst nicht sieht
Nach so viel Theorie ging es am Donnerstagabend hinunter in eine Infrastrukturwelt, die normalerweise verborgen bleibt: zum Regenrückhaltebecken am Hirschgarten.
Schon die Dimensionen der unterirdischen Anlage beeindruckten. Zwischen mächtigen Betonstützen bekamen die Teilnehmenden erläutert, wie große Niederschlagsmengen im Kanalnetz bewältigt und zwischengespeichert werden. Die Besichtigung von Deutschlands größtem Regenrückhaltebecken war deshalb weit mehr als ein außergewöhnlicher Programmpunkt: Sie machte unmittelbar deutlich, welche technischen Voraussetzungen Kommunen schaffen müssen, um auf Starkregen und Extremwetter vorbereitet zu sein. Die Besichtigung war ausdrücklich als Teil des fachlichen Programms vorgesehen.
Der Abend klang anschließend bei einem gemeinsamen Essen im Königlichen Hirschgarten aus – mit reichlich Gelegenheit, die Eindrücke des Tages zu vertiefen und über die eigenen kommunalen Erfahrungen zu sprechen.
Vom Sitzungssaal zum Gespräch mit dem Oberbürgermeister
Der zweite Tag führte die Gruppe ins Münchner Rathaus. Nach einem gemeinsamen Rundgang und einer Rathausführung mit Beppo Brem ging es in den direkten Austausch mit Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause. Krause ist seit dem 1. Mai 2026 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt.
In kleiner Runde bestand die Gelegenheit, über die Situation der Kommunen, aktuelle Herausforderungen und die politische Gestaltung vor Ort zu sprechen. Gerade dieser unmittelbare Austausch gehört zu dem, was GrünKom ausmacht: Erfahrungen aus unterschiedlichen Städten und Gemeinden zusammenzubringen und kommunale Perspektiven miteinander zu vernetzen.
Die gemeinsamen Bilder im Rathaus und das Gruppenfoto unter den Arkaden zeigen dabei auch etwas, das in Präsentationen und Tagesordnungen nur schwer abzubilden ist: GrünKom lebt vom persönlichen Austausch.
Zwei Tage – und viele Ideen für die eigenen Kommunen
Das Münchner Sommertreffen hat erneut gezeigt, wie ähnlich viele Fragestellungen in den Kommunen sind – auch wenn sich ihre Größenordnungen deutlich unterscheiden.
Wie schaffen wir gute öffentliche Infrastruktur, obwohl die finanziellen Spielräume enger werden? Wie können Gebäude über Jahrzehnte wirtschaftlich betrieben werden? Wie nutzen wir knappe Flächen mehrfach? Wie werden Schulen zu Orten für das ganze Quartier? Und wie machen wir Straßen, Plätze und öffentliche Räume fit für Hitze und Starkregen?
München lieferte dafür nicht die eine Antwort – aber viele konkrete Beispiele, Diskussionsstoff und Anregungen.
Unser besonderer Dank gilt Dr.-Ing. Jeanne-Marie Ehbauer für die Einladung, die fachlichen Einblicke und die Organisation des Treffens sowie allen Beteiligten der Landeshauptstadt München. Und natürlich allen Mitgliedern und Gästen, die mit ihren Erfahrungen und Diskussionen zwei intensive Tage daraus gemacht haben.
Nach dem Sommertreffen ist dabei vor dem nächsten Austausch: Schon während der Tagung wurden Themen für das GrünKom-Herbsttreffen im November in Berlin gesammelt.
Wir freuen uns auf das Wiedersehen.
Bericht verfasst von René Bacher, Stlv. Vorsitzender der GrünKom









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